Suchtberatung wirkt – aber eine auskömmliche Finanzierung fehlt!

10.11.2021

Berlin, den 10.11.2021. Zum heutigen zweiten bundesweiten Aktionstag Suchtberatung unter dem Motto „Suchtberatung wirkt“ fordert der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt erneut eine stabile, kostendeckende und verlässliche Finanzierung für die Suchtberatung.

Brigitte Döcker, Mitglied des AWO Bundesvorstandes, erklärt dazu: „Deutschlandweit werden in 1.300 Suchtberatungsstellen jährlich etwa 500.000 abhängigkeitskranke Menschen beraten, begleitet, behandelt und in weiterführende Angebote der Suchthilfe vermittelt. Suchberatungsstellen bieten damit vor Ort eine unverzichtbare Hilfe für suchtgefährdete und abhängigkeitskranke Menschen und ihre Angehörigen.“

Das Problem sieht der Verband im System angelegt. Suchtberatung fällt nach dem Sozialstaatsprinzip unter die kommunale Daseinsvorsorge und wird durch Steuermittel finanziert. Die Höhe der Mittel und ihre Verwendung sind Ergebnis einer politischen Entscheidung und werden nicht anhand des tatsächlich festgestellten Bedarfs ermittelt. Dadurch ist Suchtberatung von einer soliden und auskömmlichen Finanzierung weit entfernt, obwohl Suchtberatung wirkt und zwar auf zahlreichen unterschiedlichen Ebenen.

„Suchtberatungsstellen leisten wichtige Präventionsarbeit und sollten im Hinblick auf eine mögliche Freigabe von Cannabis zusätzlich gestärkt werden. Sie führen Hilfesuchende ins medizinische Hilfesystem. Sie informieren über die verschiedenen Hilfs- und Therapieangebote und motivieren Betroffene, diese wahrzunehmen. Durch die beratende und begleitende Funktion wird die Situation der Betroffenen stabilisiert. Fachkräfte der Suchtberatung sind Anlaufstellen für unterschiedliche Ansprechpersonen und vermitteln zwischen unterschiedlichen Institutionen. Das können z.B. Angehörige, Arbeitgebende oder Jobcenter sein. Darüber hinaus kooperieren Suchtberatungsstellen auch mit anderen Hilfestellen wie z.B. den Jugendämtern. Suchtberatung ist eine tragende unverzichtbare Säule des Hilfesystems für Menschen mit Suchterkankungen!“, wie Brigitte Döcker nachdrücklich betont.

Aufgrund der Pandemie waren Suchthilfe und Suchtselbsthilfe von einem Tag auf den anderen gezwungen, die Angebote für die Betroffenen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten auf digitale Formate umzustellen. Der Ausbau von digitalen Formaten ist insofern bedeutsam, weil vor allem suchtgefährdete bzw. suchterkrankte Jugendliche darüber ansprechbar und erreichbar sind. Um die Digitalisierung der Angebote weiter voranzutreiben und nachhaltig auszubauen, benötigen die Beratungsstellen zusätzliche Mittel.

Die Suchtberatungsstellen unterschiedlicher Träger – darunter auch Einrichtungen der AWO - beteiligen sich in ganz Deutschland an dem Aktionstag. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. plant und koordiniert den Aktionstag Suchtberatung gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden.

Weitere Informationen: Aktionstag Suchtberatung.

(Quelle: AWO Bundesverband Pressestelle)

 

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