Arbeit darf nicht auf der Strecke bleiben:AWO und dobeq fordern faire Arbeitsbedingungen für Rider

Faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen dürfen keine Frage des Beschäftigungsmodells sein. Zum Welttag für menschenwürdige Arbeit haben die Beratungsstellen Arbeit aus Dortmund, Lünen, Unna und Hamm heute gemeinsam auf die Situation von Ridern aufmerksam gemacht. Unter dem Motto „Arbeit darf nicht auf der Strecke bleiben – Faire Arbeitsbedingungen für Rider – Menschenwürde ist nicht verhandelbar“ zogen die Teilnehmenden von der Beratungsstelle Arbeit an der Leopoldstraße zur Katharinentreppe in der Dortmunder Innenstadt.

Im Mittelpunkt der Kundgebung standen die Arbeitsbedingungen von Fahrerinnen und Fahrern, die Essen mit dem Fahrrad ausliefern. Für viele Menschen sind Lieferdienste längst ein selbstverständlicher Teil des Alltags. Diejenigen, die bei Wind und Wetter auf den Straßen unterwegs sind, bleiben dabei jedoch häufig unsichtbar. Die Aktion rückte deshalb die Menschen hinter den Lieferungen in den Mittelpunkt und machte deutlich: Auch in der digitalen Arbeitswelt braucht es faire Bezahlung, soziale Absicherung, verlässliche Arbeitsbedingungen und Wertschätzung.

„Wer dafür sorgt, dass unser Essen zuverlässig und schnell bei uns ankommt, hat Anspruch auf gute und faire Arbeitsbedingungen. Menschenwürde endet nicht an der Haustür und auch nicht dort, wo Arbeit über eine App organisiert wird“, sagt Anja Butschkau, Vorsitzende der AWO Dortmund und Mitglied des Landtags NRW. „Als AWO stehen wir an der Seite der Menschen, die auf ihre Arbeit angewiesen sind. Prekäre Beschäftigung darf nicht zum Normalfall werden.“

Dass die Arbeitsbedingungen von Ridern häufig besonderen Herausforderungen unterliegen, wurde auch in den Beiträgen der Gewerkschaft und der Beschäftigten deutlich. Samir Boudih, Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Dortmund, berichtete von bereits erreichten Verbesserungen bei Lieferando, die später wieder zurückgenommen worden seien. Dies zeige, dass Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen immer wieder erkämpft und verteidigt werden müssten.

Gustav Berger, Mitglied des Betriebsrats von Lieferando, schilderte die Situation aus Sicht der Beschäftigten. Der Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechte Bezahlung fühle sich dabei mitunter wie ein Kampf gegen Windmühlen an. Gleichzeitig seien Tätigkeiten als Rider für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte häufig eine der wenigen Möglichkeiten, kurzfristig Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Gerade deshalb sei es wichtig, dass auch diese Beschäftigung mit fairen und verlässlichen Bedingungen verbunden sei.

Auch Ulrich Piechota, Vorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), unterstrich die Bedeutung einer angemessenen Bezahlung für die Rider. Die Beiträge machten deutlich, dass es bei der Diskussion um Lieferdienste nicht allein um Apps, Bestellzeiten und schnelle Lieferungen geht, sondern vor allem um die Menschen, die diese Arbeit leisten.

„Gute Arbeit bedeutet mehr, als einen Arbeitsplatz zu haben. Menschen brauchen Sicherheit, faire Rahmenbedingungen und die Möglichkeit, von ihrer Arbeit tatsächlich leben zu können. Deshalb müssen wir hinschauen, wenn Beschäftigung zunehmend unter Zeitdruck, über digitale Plattformen und mit hoher persönlicher Belastung organisiert wird“, betont Tim Hammerbacher, Geschäftsführer der AWO Unterbezirk Dortmund. „Ich bin froh, dass die Mitarbeitenden der Beratungsstellen Arbeit sich jeden Tag dafür einsetzen, Menschen über ihre Rechte zu informieren und sie dabei zu unterstützen, bessere Arbeitsbedingungen einzufordern.“

Die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes geförderten Beratungsstellen Arbeit leisten landesweit einen wichtigen Beitrag gegen prekäre Beschäftigung. Sie unterstützen Menschen bei Fragen rund um Arbeit, Arbeitsrecht und soziale Absicherung und bieten Beratung insbesondere für diejenigen an, die von unsicheren oder ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen betroffen sind. Sie sind als niedrigschwellige, ortsnahe Anlaufstellen in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen präsent und zentraler Baustein des landesweiten Beratungsnetzwerks gegen Arbeitsausbeutung.

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