
Anlässlich seines zweijährigen Diesntjubiläums haben wir geschäftsführer Tim Hammerbacher gebeten, auf seine bisherige Zeit bei der Dortmunder AWO zurückzuschauen und auch einen Blick in die Zukunft zu machen. Hier das Interview:
Redaktion:
Lieber Tim, nun bist Du schon 2 Jahre Geschäftsführer beim AWO-Unterbezirk Dortmund, wie waren Deine Erwartungen an die Stelle und wurden diese erfüllt?
Tim Hammerbacher:
Mit dem Start als Geschäftsführer des UB Dortmund bin ich mit der Erwartung angetreten, soziale Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger in Dortmund zu übernehmen und soziale Wirkung und wirtschaftliche Stabilität im Unternehmen weiterzuentwickeln. Es war und ist mir eine Herzensangelegenheit auch gesellschaftliche Schwierigkeiten und Herausforderungen offen anzusprechen – dass ich dies in diesem Maße bei meiner Stelle umsetzen kann und auch außerhalb der AWO wahrgenommen werde, hat meine Erwartungen auch übertroffen.
Uns ist es in den ersten zwei Jahren gelungen, Strukturen neu zu denken, Projekte auf den Weg zu bringen und uns als Team zu stärken. Überraschend war die hohe Dynamik in Regulierung und Finanzierung – gleichzeitig hat mich der Zusammenhalt im Verband und die Motivation der Mitarbeitenden sehr positiv bestärkt. Unterm Strich bin ich zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Kurs sind und unsere Wirkung im Unterbezirk weiter ausbauen.
Was ich unterschätzt habe, war wie wertvoll und stark die Arbeit unseres Ehrenamtes ist. Für die AWO in Dortmund ist das Ehrenamt das lebendige Herz unseres Wirkens. In 39 Begegnungsstätten schaffen engagierte Menschen Tag für Tag Orte der Nähe, an denen Menschen sich treffen, miteinander lernen, Kultur erleben und Einsamkeit überwinden. Sie stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Quartieren, unterstützen dabei auch unsere Angebote von Beratung über Pflege bis zur Familienarbeit und reagieren flexibel auf das, was vor Ort in den Stadtteilen gebraucht wird. Ohne dieses ehrenamtliche Fundament wären Teilhabe, Solidarität und Menschlichkeit in dieser Breite nicht möglich. Mein Dank gilt allen, die ihre Zeit, Ideen und Haltung einbringen – wir werden weiter dafür sorgen, dass Engagement gut begleitet, qualifiziert und wertschätzend sichtbar bleibt.
Redaktion:
Wenn Du auf das Jahr 2025 zurückblickst, was waren für Dich die herausragenden Ereignisse?
Tim Hammerbacher:
Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, stechen für mich vor allem vier Punkte heraus: Ich durfte in meinem zweiten Jahr bei der AWO als Sprecher der Wohlfahrtsverbände die Verträge mit der Stadt Dortmund für den Zeitraum 2026-2030 verhandeln. Durch die neuen Rahmenverträge mit der Stadt Dortmund und den Wohlfahrtsverbänden haben wir Planungssicherheit und ein gemeinsames Verständnis zu Qualitätsstandards in den kommunal geförderten Arbeitsfeldern erreicht, das stärkt die partnerschaftliche Zusammenarbeit. In Eingliederungshilfe konnten wir neue Entgelte verhandeln, die eine faire Refinanzierung sichern, unsere Teams entlasten und Investitionen in Qualität ermöglichen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir gemeinsam mit dem Ehrenamt im November 2024 in Düsseldorf demonstriert haben, was zur Folge hatte, dass die geplanten massiven Kürzungen im Sozialwesen nicht umgesetzt wurden. Ein Produkt dieser Arbeit ist die nun auskömmliche Refinanzierung des PSZ’s. Wir haben Weichen gestellt, mit klareren Prozessen, verlässlicher Steuerung und Controlling, gezielter Personalentwicklung sowie digitalen Unterstützungswerkzeugen uns als starker Verband weiterzuentwickeln.
Redaktion:
Welche Herausforderungen siehst Du mit Blick auf das Jahr 2026?
Tim Hammerbacher:
2026 ist und wird spannend. Wir starten mit einer Haushaltssperre in Dortmund, die den Anschein erweckt, als nutzte die Stadt zu viel Geld für Verbände, Vereine und Initiativen, dabei macht dies nur ca. 5 % des städtischen Haushalts aus. Die Gefahr besteht weiterhin, dass soziale Ungleichheit, Rechtsdruck und Populismus die Wahrnehmung der Menschen verfälscht und sich dadurch eine negative Grundstimmung bei einigen Menschen verschärft. Dem begegnen wir mit sichtbarer Wertehaltung, verlässlicher sozialer Infrastruktur, niedrigschwelligen Teilhabeangeboten und guter Kommunikationsarbeit. Wir versuchen dies gemeinsam mit dem Ehrenamt, der Zivilgesellschaft und unseren Partnern. Unser Ziel bleibt, wirtschaftliche Stabilität und soziale Wirkung auszubalancieren, damit wir auch unter schwierigen Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben.
Eingliederungshilfe bleibt finanziell und strukturell vulnerabel: Wir haben hart verhandelt, doch steigende Bedarfe treffen auf volatile Refinanzierung. Wir brauchen belastbare Rahmen- und Entgeltvereinbarungen, enges Leistungscontrolling sowie Szenario-Planung, um Angebote und Personal stabil zu halten.
Im Kommunalen Integrationsmanagement und in der Migrationsarbeit ist die Finanzierung weiterhin nicht auskömmlich. Hier setzen wir auf verlässliche Kooperationsstrukturen mit Kommunen, gebündelte Fördermittelakquise, klare Wirkungsnachweise und abgestimmte Lobbyarbeit der Wohlfahrt, um Planungssicherheit zu erreichen. Es besteht die Gefahr, dass wir nicht alles im vollen Umfang weiterbearbeiten können.
Der Kitabereich steht doppelt unter Druck: keine Kibiz-Steigerung, nicht auskömmliche Sprachkita-Förderung und erhebliche Eigenanteile. Priorität hat die Sicherung des Betriebs und der Qualität durch Nachverhandlungen, transparente Kostenoffenlegung, effizienzsteigernde Maßnahmen ohne Qualitätsverlust sowie gezielte Priorisierung beim Ausbau. Parallel müssen wir Fachkräftebindung und -gewinnung mit attraktiven Arbeitsbedingungen stützen.
Es bleibt spannend und uns wird nicht langweilig.
Wir blicken jedoch positiv in die Zukunft, denn alle Herausforderungen bieten auch die Möglichkeit neue Wege zu denken und diese dann zu gehen.
Redaktion:
Lieber Tim, wir wünschen Dir weiter viel Erfolg und danken Dir für das Gespräch.