Infotafel Eichlinghofen

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…über den Bergbau und die frühe Arbeiterbewegung in Eichlinghofen? Das trifft sich gut – wir möchten Ihnen nämlich auch noch viel mehr berichten, doch das passte natürlich nicht auf die Info-Tafel. Wir mussten kürzen, kürzen, kürzen. Aber zumindest ein paar der uns besonders „spannend“ erscheinenden Geschichten, die beim Kürzen entfallen mussten, möchten wir Ihnen wenigstens auf diesem Wege doch noch erzählen.

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Mit der „kleinen Heide“ fing es an

Der Name der Straße „Kleine Heide“ am Ostrand von Eichlinghofen erinnert an die „Kleine Baroper Heyde“. Sie reichte nördlich der heutigen Stockumer Straße vom Rüpingsbach bis zum Dorf Eichlinghofen. In der „kleinen Heide“ begann der Eichlinghofer Bergbau. Bereits im späten Mittelalter grub man hier nach Kohle, die dicht unter der Erdoberfläche lag.

Foto des Straßenschildes „Kleine Heide“
Quelle: Dietmar Bergmann

Der Lochstein

An einer Mauer in der Baroper Hugo-Heimsath-Straße findet sich ein Lochstein von 1849. Lochsteine waren Grenzsteine, die in Bergbaugegenden die Grenzen von Grubenfeldern anzeigten. Der Stein von 1849 gehörte zum Eichlinghofer Grubenfeld „Henriette II“. Leider ist er nicht mehr ganz erhalten. Wie er ursprünglich aussah, zeigt das Foto auf der Tafel „Glückauf Kameraden…“. 

Foto des – behauenen – Lochsteins an der Mauer, Hugo-Heimsath-Straße
Quelle: Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.

Wo stand der Malakowturm?

Neben der Tankstelle an der Stockumer Straße führt ein Fußweg über eine Treppe zur Universität. Am oberen Ende der Treppe – auf Höhe des ersten Kanaldeckels neben dem Weg – lässt sich der einstige Standort des Malakowturms verorten. Mit Fertigstellung des Förderturms auf dem Hauptschacht „Sanssouci“ konnte 1859 auf der Eichlinghofer Zeche „Vereinigte Henriette“ der Tiefbau beginnen.

Foto der Ruine des Malakowturms
Quelle: Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.

Ohne Pferde ging‘s noch nicht

Das Mundloch, das auf dem Foto von 1925 zu sehen ist, war der Ausgang eines Stollens, den man 1861 vom Abhang unterhalb der heutigen Straße Am Gardenkamp nach Westen vorgetrieben hatte. Der Stollen endete am Schacht „Sanssouci“ der Zeche „Ver. Henriette“. Von dort brachte man die Kohle zum Mundloch, wo die Trasse einer Pferdebahn begann, mit der die Kohle zur Eisenbahnstation Barop befördert wurde.

Foto des Mundlochs von „Henriette“
Quelle: Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.

Bei Knappmann organisieren sich die Knappen

Das Kriegerdenkmal, das vorn auf der Postkarte zu sehen ist, lag an der Einmündung der heutigen Eichlinghofer in die heutige Stockumer Straße. Die Gastwirtschaft von Hermann Knappmann befand sich also schon in der heutigen Eichlinghofer Straße. Bei Knappmann stand die Wiege der organisierten Eichlinghofer Bergarbeiterschaft. Hier trafen sich am 15. März 1868 die Bergleute, die die Statuten des örtlichen Knappenvereins beschlossen.

Postkarte Kriegerdenkmal und Gaststätte Knappmann

Bei Thöing wird „gedrängelt“

Die ehemalige Gaststätte Thöing lässt sich heute auf der Südseite der Stockumer Straße etwa in Höhe der gegenüberliegenden Einmündung des Kohlenbankweges verorten. Bei Thöing wollten am 30. November 1873 Sozialdemokraten aus Dortmund eine Versammlung abhalten, wurden aber unter anderem von Eichlinghofer Knappenvereinlern hinaus „gedrängelt“, ehe die Veranstaltung beginnen konnte.

Postkarte Gaststätte Thöing

Die Eichlinghofer Luft

Der Vorstand des Eichlinghofer Knappenvereins wollte 1878 dafür Sorge tragen, dass „die sozialdemokratische Weisheit nicht zu großen Schaden“ unter den Bergleuten anrichtete – unser Foto zeigt Bergleute von „Henriette“ um 1880. Der Vorstand behauptete großspurig, „daß die Eichlinghofer Luft dem Wachstum der Sozialdemokratie schädlich“ sei – und doch hatte es im Jahr zuvor Ärger bei der Beerdigung eines Knappenvereinlers auf dem alten Eichlinghofer Friedhof gegeben, als Pfarrer Niemeyer am Grab auf die Sozialdemokratie geschimpft hatte, deren Anhänger der Verstorbene gewesen sei… 

Foto Bergleute „Henriette“, um 1880
Quelle: Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.

Auftritt des „Kaiserdelegierten“

Ludwig Schröder war ein berühmter Mann, als er 1890 bei Thöing auftrat. 1889 hatte er zu den drei Delegierten der streikenden Ruhrbergleute gehört, die Kaiser Wilhelm II. in Berlin empfangen hatte – aber darum ging es jetzt nicht. Schröder war auch Sozialdemokrat und im Vereinslokal des Eichlinghofer Knappenvereins wurde an diesem 13. November 1890 von 400 Anwesenden die örtliche SPD aus der Taufe gehoben – mit der Wahl eines SPD-Vertrauensmannes für Eichlinghofen und umliegende Orte, denn mehr an Organisation ließen die Gesetze noch nicht zu.    

Aus Mitgliedern des 1889 entstandenen Bergarbeiterverbandes rekrutierten sich auch zwei Vereine, die 1890 in Eichlinghofen gegründet wurden: der genossenschaftliche Konsumverein „Glückauf“ und der „Turnverein Eintracht Eichlinghofen“. Führend in beiden Vereinen wie in der örtlichen Gliederung – der Zahlstelle – des Bergarbeiterverbandes war Heinrich Hansmann (1861-1932).

Foto Foto des ‚Kaiserdelegierten‘ Ludwig Schröder
Quelle: Ludwig Schröder

Der Eichlinghofer „Bruderbund“

Aus der Eichlinghofer Zahlstelle des Bergarbeiterverbandes ging 1893 der Gesangverein „Bruderbund“ hervor. Anfangs nur Verbandsmitgliedern zugänglich, öffnete sich der Verein rasch für alle Arbeiter Eichlinghofens – und wurde zum nur wenig getarnten Ortsverein der SPD, die damals noch keine Ortsvereine besitzen durfte. Führendes Mitglied war Heinrich Hansmann (1861-1932): „ein nicht unbedeutender Agitator der Parthei, welcher in allen in Eichlinghofen und Umgegend abgehaltenen Versammlungen als Redner auftritt“, wie der Hörder Landrat 1896 zu berichten wusste.

Foto Heinrich Hansmann
Quelle: Stadtarchiv Dortmund

Foto Gründer der Zahlstelle Eichlinghofen
(aus der der „Bruderbund“ hervorging)

Quelle: Dietmar Bergmann

Traurige Freundespflicht

Die Gastwirtschaft Wagener an der Einmündung des Stortsweges in die Stockumer Straße war einst ein wichtiges Versammlungslokal der Eichlinghofer Arbeiterbewegung. 1932 kam hier der Vorsitzende des deutschen Bergarbeiterverbandes, Fritz Husemann (1873-1935), seiner Freundespflicht nach, die Trauerrede auf Heinrich Hansmann zu halten. Zusammen waren sie schon in den 1890er Jahren in Eichlinghofens Arbeiterbewegung aktiv gewesen.

Postkarte Gaststätte Wagener
(in der Husemann die Trauerrede auf Hansmann hielt)

Quelle: Stadtarchiv Dortmund

Tausende nehmen Abschied

Am 20. und 26. April 1935 finden sich Tausende Bergleute in Dortmund und Bochum ein, um der Einäscherung und Beisetzung des von den Nazis im KZ Esterwegen ermordeten Fritz Husemann (1873-1935) beizuwohnen. Der Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes war zwischen 1893 und 1902 in Eichlinghofen für den Verband und die Sozialdemokratie tätig gewesen und hatte hier prägende Jahre verbracht.

Foto Fritz Husemann
Quelle: Wikipedia 

Den Nazis ein Dorn im Auge

Als Landrat, erst in Hörde (bis 1929), dann im Ennepe-Ruhr-Kreis, und SPD-Abgeordneter im preußischen Landtag (1928-1933) warnte der engagierte Demokrat Wilhelm Hansmann (1886-1963) vor den Nationalsozialisten, die ihn dafür hassten. 1933 überfiel ihn ein Trupp Nazis in seiner Eichlinghofer Wohnung am Stortsweg, entführte ihn und schlug ihn halbtot. Um am Leben zu bleiben, musste er fliehen, erst ins Saarland, dann nach Frankreich und in die Schweiz.  Wo es ging, leistete Hansmann immer wieder seinen Beitrag zum Kampf gegen die Nazis.

Foto Wilhelm Hansmanns als Redner, wohl vor 1933
Quelle: Stadtarchiv Dortmund

Politischer Neubeginn

Im Vordergrund des Fotos als Zweiter von rechts mit dem Rücken zur Kamera, ist Wilhelm Hansmann (1886-1963) zu sehen: bei der ersten Sitzung der von den britischen Besatzern 1945 eingesetzten Stadtvertretung. Das Gremium aus Vertretern der wieder zugelassenen Parteien SPD, CDU, KPD und FDP und verschiedener Berufsstände wählte den populären Hansmann zum Oberbürgermeister. Als die Briten die Wahl des Oberstadtdirektors Ostrop beanstandeten, bekleidete Hansmann sogar beide Ämter – bis zur ersten demokratischen Kommunalwahl im April 1946, nach der Fritz Henßler zum Oberbürgermeister und Wilhelm Hansmann zum Oberstadtdirektor gewählt wurden.

Foto erste Sitzung des von den Briten eingesetzten ersten Stadtrats 1945 mit Wilhelm Hansmann
Quelle: Stadtarchiv Dortmund

Motor des Wiederaufbaus

Bis Ende 1954 blieb Wilhelm Hansmann (1886-1963) als Dortmunder Oberstadtdirektor im Amt. Zusammen mit Oberbürgermeister Fritz Henßler galt er als Motor des Wiederaufbaus der Stadt. Allein 7,5 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt wurden während seiner Amtszeit beseitigt, 80.000 Wohnungen und 80 Schulen gebaut. Der Beschluss des Rates der Stadt, Hansmann für seine Verdienste um den Wiederaufbau das Ehrenbürgerrecht zu verleihen, wurde 1956 einstimmig gefasst.

Foto Wilhelm Hansmann und Fritz Henßler
Quelle: Stadtarchiv Dortmund

Ehrungen für eine starke Frau

Für ihre Verdienste um die Arbeiterwohlfahrt wurde Erna David (1904-1992) von der AWO mehrfach geehrt. Nach ihrer Pensionierung 1969 blieb sie als Ehrenmitglied im Vorstand des Dortmunder Kreisverbandes. 1977 benannte man das Seniorenzentrum der AWO in Dortmund-Brünninghausen nach ihr. 1979 erhielt Erna David die Marie-Juchacz-Plakette: die höchste Auszeichnung der AWO für Verdienste um den Verband.

 

Foto Erna David – Eröffnung der AWO Begegnungsstätte in der Eichlinghofer Grundschule am 10. Januar 1987. Auf dem Foto v. l.: Horst Götze (Vorsitzender SPD Eichlinghofen), Hans Thom (Vorsitzender AWO Eichlinghofen), Brunhilde Deubel (SPD-Ratsvertreterin) Erna David, Werner Zeitler (SPD MdB), Willi Spaenhoff (Bürgermeister), Gisela Gruppe (Leiterin der Begegnungsstätte)
Foto: Dietmar Bergmann 

Ende erreicht

Karriere bei der AWO